Der Moment, an dem ich gemerkt habe, dass etwas nicht stimmt, kam bei mir nicht langsam.
Er kam irgendwann beim Arzt.
Plötzlich stand das Thema Hashimoto im Raum.
Ob das am Ende wirklich die Ursache für alles war, war für mich fast zweitrangig. Viel wichtiger war etwas anderes:
Ich konnte nicht mehr so tun, als wäre alles okay.
Denn das war es schon lange nicht mehr.
Ich hatte kaum noch Energie. Keine Kraft. Und morgens teilweise einfach keinen Bock mehr aufzustehen.
Nicht, weil ich faul war.
Sondern weil ich das Gefühl hatte, dass da einfach nichts mehr ist, woraus ich noch irgendetwas ziehen kann.
Und trotzdem lief der Alltag weiter.
Natürlich.
Nachts habe ich gehört, ob bei den Kindern alles ruhig ist. Tagsüber Arbeit, Termine, Familie, Haushalt und alles, was sonst noch anfällt.
Und gefühlt kam von überall irgendwas:
Mach noch das.
Denk noch daran.
Du musst hier.
Du musst dort.
Irgendwann hatte ich einfach das Gefühl, dass ständig irgendwas auf mich einprasselt.
Und ich habe weitergemacht.
Weil man das eben so macht.
Zumindest dachte ich das damals.
Rückblickend war das eigentlich das Verrückte daran: Ich habe gar nicht mehr richtig gelebt. Ich habe funktioniert.
Und irgendwann war der Tank einfach leer.
Kein Reservetank.
Nichts.
Heute glaube ich, dass genau das der eigentliche Wendepunkt war.
Nicht irgendein Begriff auf einem Arztzettel.
Sondern die Erkenntnis:
So kann es nicht weitergehen.
Und das Gefährliche daran ist, dass man diesen Punkt oft gar nicht kommen sieht.
Du kümmerst dich um die Kinder.
Um den Job.
Um Rechnungen.
Um Dinge, die erledigt werden müssen.
Um Menschen, die etwas von dir brauchen.
Und du selbst rutschst Stück für Stück immer weiter nach hinten.
Nicht weil du das so planst.
Es passiert einfach.
Bis irgendwann nichts mehr übrig ist.
Ich schreibe das nicht, weil ich Mitleid möchte.
Ganz im Gegenteil.
Ich glaube einfach, dass ziemlich viele dieses Gefühl kennen.
Gerade wenn du Verantwortung hast und gewohnt bist, Dinge irgendwie hinzubekommen.
Bei mir hat sich danach übrigens nicht von heute auf morgen alles verändert.
Es gab keinen großen Plan.
Kein: Ab morgen mache ich alles anders.
Es waren eher kleine Sachen.
Wieder mehr Musik.
Mit dem Bike raus.
Mal ein paar Minuten alleine.
Nicht gleichzeitig noch Nachrichten beantworten, organisieren oder irgendwas erledigen.
Einfach mal nur das machen, worauf ich gerade Bock hatte.
Und ich musste lernen, dass ich mich dafür nicht rechtfertigen muss.
Das war für mich wahrscheinlich einer der schwierigsten Punkte.
Zeit für mich war früher immer das Erste, was ich gestrichen habe.
Heute ist es eher eines der Dinge, die ich bewusst einplane.
Nicht weil mir andere Menschen egal geworden sind.
Sondern weil ich verstanden habe:
Wenn bei mir selbst nichts mehr drin ist, kann ich auch nichts mehr geben.
Und manchmal braucht es dafür keinen kompletten Neustart.
Manchmal reicht erstmal Musik.
Eine Runde mit dem Bike.
Ein Kaffee alleine.
Oder einfach fünf Minuten, in denen gerade mal niemand etwas von dir will.
Genau solche einfachen Dinge habe ich auch in meinem PDF gesammelt.
Keine Wunderlösung.
Einfach Sachen, die mir selbst helfen, wenn mein Kopf voll ist.
